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Eine Frage des Anstands: Gespräch mit Elisabeth Ehninger und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken

Eine Frage des Anstands: Gespräch mit Elisabeth Ehninger und BAP-Sänger Wolfgang

Niedecken in der Sächsischen Zeitung vom 16.7.2016

Von Nadja Laske

Foto: Sven Ellger

Wiedersehen mit Freude: Vereinschefin Elisabeth Ehninger und Wolfgang Niedecken kennen sich seit dem Offen-und-bunt-Konzert gegen Pegida 2015. Zuletzt trafen sie sich Anfang des Jahres, als Dresden – Place to be e.V. den Bürgerpreis der Zeitungsverleger bekam.

So in etwa ist das. Als ob einer übers Wasser gehen kann, und die Leute sagen: Der ist nur wasserscheu! Wolfgang Niedecken guckt über die Elbe. Brücken gibt’s hier genug. Da muss sich keiner die Sohlen nass machen. Brücken gibt’s noch immer zu wenige. Das weiß der Sänger auch. Will man welche bauen, muss man mit allem rechnen. Niedecken zieht den Vergleich aus reichlich Erfahrung. „Künstler stecken immer im Dilemma. Engagieren sie sich politisch, heißt es: Die wollen sich nur profilieren. Tun sie es nicht, fragt man: Wo bleiben die Künstler mit Rückgrat?“

Von Aktionismus hält er nichts. „Ich überlege mir ganz genau, wofür ich mich einsetze, und lasse mich vor keinen Karren spannen. Wenn, dann spanne ich mich selbst davor“. Als politische Rockband versteht er BAP nicht. Mit seinen Musikerkollegen feiert Wolfgang Niedecken gerade vierzigjähriges Bühnenjubiläum. Deshalb ist er auf Tour und tritt am Sonnabend in der Jungen Garde auf. Ein schöner Anlass, sich zuvor in Dresden mit einer Bekannten zu treffen: Elisabeth Ehninger, Vorsitzende des Dresden – Place to be e.V. Als Künstler kannte sie Wolfgang Niedecken natürlich, privat hat sie ihn Anfang 2015 zum ersten Mal erlebt. Da hatte sie ihn für das Konzert „Offen und bunt“ eingeladen. Niedecken kam „mit ganz kleinem Besteck“, sprich nur mit Gitarre und zwei Songs. Bis heute ist er von der Veranstaltung beeindruckt. „Da haben sich nicht Künstler politisch zu Wort gemeldet, sondern die Wortmeldung kam aus der Mitte der Gesellschaft. Das war eine tolle Sache.“ Wie Pegida in Dresden zu einer tausendköpfigen Bewegung heranwuchs, hatte der 65-Jährige über Medienberichte verfolgt. „Was passiert denn da, habe ich mich gefragt.“ In Erklärungsnotstand waren auch viele Dresdner, wie Elisabeth Ehninger. Erst 2014 hatte sie mit einigen Freunden und Bekannten den Verein Dresden Place to be gegründet und begonnen, ausländischen Studenten und Angestellten zu helfen. Der Verein vermittelte Dresdner Paten, die die Neulinge auf wichtigen Wegen in der neuen Umgebung begleiten und ihnen signalisieren, gern gesehen zu sein.

Anderthalb Jahre später sitzen Wolfgang Niedecken und Elisabeth Ehninger wieder zusammen und betreiben Erinnerungskultur. Die Vereinschefin denkt mit Schaudern an die „stummen Demonstranten“ von damals, die jede Kommunikation strikt ablehnten, und freut sich, dass die Zahl derer, die Dresden befremdet den Rücken kehren wollen, inzwischen kleiner wird. Der Musiker denkt an die Stimmung, damals auf dem Konzert an der Frauenkirche, und an die fiesen Rückenschmerzen, die ihn dabei quälten. Daran, wie lässig die Kölner mit den vielen Flüchtlingen umgegangen sind, und an die Häme im Netz „nach Köln“: Das habt ihr nun von eurer Willkommenskultur.

Mit Blick zurück und in die Zukunft sagt Wolfgang Niedecken: „Das ist und bleibt eine Frage des Anstandes.“ Ziel muss sein zu erreichen, dass Menschen nicht verhärten, dass sie ihre Empathie behalten und bereit sind, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die in der Welt passieren. „Ich sehe nichts Falsches an Angela Merkels Satz: Wir schaffen das.“ Hätte sie sagen sollen: Wir versuchen, das zu schaffen? Niedecken stellt sich die Frage selbst und überlegt. „Nein. Dann hätte der Nächste gefragt: Und wenn nicht? Dabei bleibt nichts anderes übrig, als es zu schaffen.“ Was kann er als Musiker tun? „Eine Haltung haben“, sagt der Sänger. Die muss nicht aus jedem Liedtext quellen. Doch wenn die Sprache auf die großen Themen dieser Erde kommt, hält er nicht die Klappe. „Was in Afrika seit Jahrzehnten los ist, wurde hier weggezappt oder erschien erst auf gar keinem Kanal.“ Jetzt kommen auch von dort Menschen zu uns. Offensichtlich, sagt Niedecken, brauche es diese sinnliche Erfahrung, um die Dramen am anderen Ende der Welt ernst zu nehmen. Er selbst engagiert sich schon seit Jahren als Botschafter der Hilfsaktion „Gemeinsam für Afrika“ und gründete ein Programm für ehemalige Kindersoldaten in Uganda.

Am Sonnabend wird Niedecken auch zusammen mit dem syrischen Oud-Spieler Thabet Azzawi auftreten. Der Medizinstudent war 2012 aus seiner Heimat in den Jemen und dann nach Dresden geflohen. Hier spielt er mit seiner arabischen Kurzhalslaute unter anderem in der Banda Internationale.

Es scheint, als sei die Zeit für große Gesten vorbei. Elisabeth Ehninger konzentriert sich auf die Flüchtlingsarbeit ihres Vereins, und Wolfgang Niedecken spielt mit einem unerhörten Gedanken. „Roland Kaisers Rede in Dresden hat mir wegen seiner politischen Standhaftigkeit imponiert“, sagt er, „Das habe ich ihm letztens auf der Echo-Preisverleihung gesagt.“ Eine Koalition Kaiser – Niedecken sei unvorstellbar, aber so gesehen denke er doch gern mal darüber nach.

 

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